Gigreview: Ox-Fanzine / Ausgabe #82

TRASHCAN DARLINGS, Gatecrasher, Hollywood Vampires

13.12.08 Oslo, John Dee Club

„I Must Have Been Love, But It’s Over Now“ – ein trauriger Anlass brachte mich und meinen Kumpel wieder einmal nach Oslo, denn die Pioniere des Glam-Punk die TRASHCAN DARLINGS sollten ihr Abschiedskonzert geben. Nach dem wir am späten Freitag Abend in Norwegens Hauptstadt landeten, ging es gleich in den De Villes Club, wo die offizielle Pre-Party zum Konzert stattfand. Der Laden war gut gefüllt und die Leute feierten ausgelassen zu DJ Chris Damien Doll, seines Zeichens Gitarrist der Trashcans, und weiteren Kollegen. Eine bunte Mischung aus Darlings Songs und anderen (Glam-)Rock Smashern sorgte für eine gute Unterhaltung und das Bier floss in Strömen. Um Punkt 03:00 Uhr war dann aber langsam Schluss, da danach per Gesetz kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. So machte sich das gemeine Volk, in voller Vorfreude auf den kommenden Abend, auf den Heimweg.

Am Tag darauf waren wir pünktlich um 21:00 Uhr im schönen John Dee und erst einmal war anstellen angesagt. Das Konzert war natürlich ausverkauft und eine Menge Leute bahnten sich ihren Weg in den Club. Drinnen angekommen wurden erst einmal alte Bekannte aus Deutschland, Belgien, Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen begrüßt. Keiner, der die Band in den vergangenen Jahren auf ihren Touren für sich entdeckt hat, wollte sich dieses Ereignis entgehen lassen. Nach ein paar netten Gesprächen und ein paar Bieren stand die erste Band des Abends, die Hollywood Vampires, auf der Bühne. Ein wenig an den Hauptact erinnernd rockten sich die wild gestylten Jungspunde durch ein weitgehend gutes Set. Als Opener war diese Combo genau richtig. Danach kamen die Gatecrasher, welche mir persönlich nicht wirklich zugesagt haben, aber was soll’s.

Gegen halb zwölf schloss sich ein schwarzer Vorhang mit der Aufschrift „TRASHCAN DARLINGS 1995 – 2008“ und das Publikum wartete fieberhaft auf die fünf Jungs. Nach ein paar Minuten ging dann endlich das Licht aus und das Intro ertönte, was einigen von den ersten Touren durch Europa bekannt war. Mit dem Spruch „Elvis was the King of Rock’n’Roll, please welcome the TRASHCAN DARLINGS“ ging es dann mit „Psychotic Barbie“ los. Die Anwesenden drehten vom ersten Ton an durch und das sollte auch die kompletten 1 1/2 Stunden so bleiben. Mit einer Setliste die keine Wünsche offen lies (Criminal Porn, Rock’n’Roll Horroshow, Barbed Wire Boogie, Back To The Parti, Fed-Up!, Call-Girl, European Suicide Bomers, usw.) und einer Show, die in dieser Form ihresgleichen sucht, begeisterte die Band den ganzen Mob. Bei ihrer großartigen „Ballade“ „Angel Lost“ schrieen alle lauthals mit und sogar Tattoos mit selbigem Songtitel auf den Handgelenken wurden in die Höhe gestreckt. Nach drei Vierteln der Show, die sich gerade mal wie 20 min. anfühlten, setzte sich Frankie Nachtnebel vor mir auf den Monitor und stimmte zusammen mit Chris Damien Doll das geniale „I Just Wanna Die (On A Chemical High)“ an. Die bei den Fans wohl bekannten Töne riefen extatische Begeisterungsrufe hervor und der Text wurde von der ersten bis zur letzten Zeile mitgesungen. Nach dem langsamen Beginn des Liedes rasteten spätestens beim Übergang zum schnellen Teil alle aus. Kurz kam in mir die Befürchtung hoch, diese Stelle des Konzerts bzw. diese Hymne können sie nicht mehr toppen, aber ich sollte eines besseren belehrt werden. Es folgte „Electro Shock Rock“, welches geradezu prädestiniert ist um das Publikum zum mitsingen einzuladen, und dieses folgte auch bereitwillig. Danach verschwand die Band von der Bühne um nach kurzer Zeit, den Rufen ihrer Fans folgend, zurückzukommen. Als erster setzte sich Andy Hunter hinter sein Schlagzeug und fing druckvoll an zu spielen. Jeder wusste, was jetzt kommt: „Holiday In My Head“! Dem Drummer folgten nach und nach Q. Ken Rockers am Bass, die zwei Gitarristen und schließlich Strange? Gentle, und nahmen alle Anwesenden ein letztes mal mit auf einen Trip. Das erreichte hohe Level hielten die Norweger noch bis zum Ende, was bei Krachern wie „Peggy-Sue Is Dead“, „Johnny Is A Drag-Queen“, der wohl für die Ewigkeit gemachten Hymne „Me Punk You Fuck“ und „From Purity To Pain“ nicht sonderlich schwer viel. Nach diesem letzten Höhepunkt schloss sich der Vorhang wieder und diesmal für immer. Über die Boxen tönte in voller Lautstärke der Roxette Klassiker „It Must Have Been Love“ und alle realisierten langsam das es vorbei war. Man blickte in zufriedene, aber größtenteils traurige Gesichter, denn zumindest für diejenigen, die heute den Weg nach Oslo gefunden hatten, waren die TRASHCAN DARLINGS eine prägende Band, die weiß Gott Ruhm und ewigen Erfolg verdient hätte!

Den Abend ließen wir in einem netten, ruhigen Pub ausklingen, wobei um 03:00 Uhr wieder Schluss war mit Bier und der Heimweg angetreten werden musste. Völlig fertig und mit einem lachenden und einem weinenden Auge ging es dann am Sonntag Abend zurück nach Deutschland, mit der Gewissheit, eine solche Band so schnell nicht wieder für sich zu entdecken!

Daniel

© by OX-FANZINE / Ausgabe 82 (Februar 2009)