Rotzkotz "Vorsicht! Paranoia" LP
(Hippocrite 666; 1979)

Neben den sehr bekannten Bands wie "PVC" und "Big Balls And The Great White Idiot" gab es noch weitere deutsche Punkformationen, die recht früh englischsprachigen Punk im 77er Stil spielten. Eine von ihnen war "Rotzkotz" aus Hannover, die bereits 1977 gegründet wurde. Nach etlichen mehr oder weniger guten Gigs, wurde im Jahr 1979 die selbstproduzierte LP "Vorsicht! Paranoia" in der Grafschaft Kent, in England aufgenommen. Im Eigenvertrieb, in Clubs und Bars, versuchte die Band die auf lächerliche 300 Stück limitierte Platte an den Mann zu bringen.
Legt man dieses Werk nach knapp 30 Jahren wieder einmal auf den Plattenteller wird einem sofort klar, warum kurz nach der Veröffentlichung ein Label auf die Band aufmerksam wurde und das Album noch einmal veröffentlichte.
Schon mit dem Opener "The Disco Sound Is Dead" ist der Band ein kleiner Hit gelungen, der mit der Titelzeile auch den Schlachtruf der damaligen Generation rausbrüllt. Weiter geht es im Pogoschritt mit den Tracks "Lunatic Chick", "Peep Show" bzw. "Jet Set Clown" und spätestens hier erkennt man warum EMI recht schnell auf die Band unter vertrag nahm. 1980 erhielten sie von dieser "ehrwürdigen" Plattenfirma sogar einen Vertrag, der allerdings nach der Single "Problem", die ohne Absprache mit der Band in den Handel kam, wieder gekündigt wurde. Man trennte sich, wie ein paar Jahre zuvor schon die "Sex Pistols", im Streit. Und wie die "Pistols" greift auch "Rotzkotz" das Thema in einem Song auf, der dann als "Tante EMI" auf dem etwas popigeren zweitem Album "Lebensfroh und Farbenfroh", erschien.
Seite zwei beginnt mit der Textzeile: "Much Funny", die dann auch bei den Rereleases des Longplayers, als Albumtitel herhalten musste. "Slicky Life" ist wieder ein klasse Punktrack, der allerdings noch von dem folgenden "We're The Rest" getopt wird. "Pressure Mark" hält das Niveau genau so wie "Punk Rocker". Als vorletzter Song auf dem Album besticht die Band noch mit einem Midtempo Track a la "Baby Baby" (Vibrators). "Gettin'to None" heißt es hier und "Rotzkotz" beweisen damit, dass sie auch die etwas langsameren Töne beherrschen. "Goin Mad" setzt einen würdigen Abschluss und bei diesem Album kann man ohne Gewissensbisse behaupten, dass es keine Ausfälle gibt.
Der Gesang, der mal von Herrn Horst Illing und mal von Ernst-August Wehmer beigesteuert wird, bringt Abwechslung in die Platte. Die Texte drehen sich wie aus den Titelzeilen erkennbar um die Punkthemen der 70er.
Zum Artwork der LP gibt es nicht allzu viel zu sagen. Ein weißes LP-Cover mit aufgesprühten Bandnamen "Rotzkotz" und ein Stempel "Vorsicht! Paranoia". Das ist Punkrock und definitiv eine der besten deutschen Punkreleases ever!
Zu haben ist das Teil heutzutage als Vinyl- und CD-Rerelease von Hippocrite und Gee Bee Dee (heute SPV).

Arnim